Pressemitteilung
Hilfe auf Augenhöhe: Warum Selbsthilfegruppen wichtiger denn je sind
Bürgermeister Manuel Feick hatte kürzlich einen äußerst interessanten und wichtigen Termin: Ein Treffen mit Klaus Bermond und Brigitte Büttner, dem Gruppenleiter und seiner Vertreterin der Reinheimer Selbsthilfegruppe der Aktiven Suchtselbsthilfe (ASS).
Es wurde ein langes und emotionales Gespräch. Schilderten die beiden doch eindrucksvoll, wie sie zur Aktiven Selbsthilfe gekommen sind und wie sie suchtkranken Menschen und ihren Angehörigen helfen.
Die Selbsthilfegruppe setzt sich seit vielen Jahren erfolgreich für Menschen mit Suchterkrankungen und deren Angehörige ein.
Gerade nach der Corona-Pandemie zeigt sich deutlich: Die Zahl der Betroffenen ist nicht zurückgegangen – im Gegenteil. Viele Menschen nehmen jedoch die bestehenden örtlichen Hilfsangebote nicht mehr wahr. Deshalb ist es wichtiger denn je, diese Angebote wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.
Die ASS bietet kostenfreie Unterstützung für Suchtkranke und ihr Umfeld an. Angehörige können gemeinsam mit den Betroffenen oder auch allein Hilfe in Anspruch nehmen. Die ASS bietet in Darmstadt auch eine Gruppe für suchtkranke Frauen und deren Angehörige an.
Aktuell zählt die ASS im gesamten Einzugsbereich rund 200 Mitglieder, von denen sich 24 als sogenannte "Aktive" in der täglichen Arbeit, wie Beratung, Gruppenleitung und Klinikvorstellungen engagieren. Das Angebot umfasst zehn Präsenzgruppen im Bereich Groß-Gerau/Darmstadt und eine Onlinegruppe. In Reinheim trifft sich die Gruppe der ASS einmal wöchentlich, immer dienstags von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr im Martin-Luther-Haus, Erlenweg 8 in Reinheim. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die Ursachen für Suchterkrankungen sind vielseitig und individuell völlig verschieden. Hier hat jeder Betroffene seine eigene Geschichte. In eine Selbsthilfegruppe kommen viele Betroffene erst, wenn der Leidensdruck zu groß geworden ist: Streit in der Familie, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, gesundheitliche Sorgen oder die Angst, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Wer mit einem abhängigen Partner, Elternteil, Kind oder Freund zusammenlebt, braucht oft ebenfalls Unterstützung. Angehörige wollen helfen, geraten dabei aber nicht selten selbst an ihre Grenzen. In der Gruppe können sie offen über Sorgen, Hilflosigkeit, Wut oder Schuldgefühle sprechen.
Die Gruppenmitglieder sind sowohl hinsichtlich des Alters als auch des Anteils von Frauen und Männern sehr gemischt. Auch jüngere Menschen nutzen inzwischen die Angebote der ASS. Dabei ist man offen für alle Formen der stofflichen Abhängigkeit – von Alkohol und Medikamenten bis hin zu Cannabis, Partydrogen, Lachgas und anderen suchterzeugenden Substanzen. In den Gruppen dominiert jedoch die Alkoholsucht.
Klaus Bermond, seit 20 Jahren abstinent und ausgebildeter Suchthelfer, sowie Brigitte Büttner, die nach einer schweren Lebenskrise 2022 zur ASS fand und inzwischen selbst die Ausbildung zur Suchthelferin beendet hat, stehen beispielhaft für die Kraft der Selbsthilfe. Beide betonen, wie entscheidend der Austausch auf Augenhöhe ist. Deshalb sprechen beide auch offen über ihren Weg in die Selbsthilfe und die Unterstützung der Betroffenen.
Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Gruppenarbeit: Während die Chance auf dauerhafte Abstinenz von über fünf Jahren ohne Selbsthilfegruppen unter 30 Prozent liegt, steigt sie mit regelmäßiger Teilnahme auf über 60 Prozent.
Auch die Gruppenleiter und ihre Vertretungen werden professionell begleitet und nehmen alle acht Wochen an Supervisionen teil, um die Qualität der Unterstützung sicherzustellen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Suchtprävention an Schulen. Hier informiert die ASS insbesondere Schülerinnen und Schüler der achten Klassen über die Risiken von Sucht und mögliche Wege der Hilfe. Somit wird schon früh auf die Thematik hingewiesen und bereits den Jugendlichen die Augen geöffnet.
Bürgermeister Manuel Feick würdigt die Arbeit der ASS und ruft Betroffene dazu auf, den ersten Schritt zu wagen: „Sucht ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit. Niemand muss diesen Weg allein gehen. Ich kann nur jeden ermutigen: Holen Sie sich Hilfe und trauen Sie sich, eines der Angebote wahrzunehmen. Sie werden dort offen, ehrlich und herzlich aufgenommen.“
Zugleich appelliert er an die Bürgerinnen und Bürger, die Arbeit der ASS mit Spenden zu unterstützen:
„Die einzelnen Ortsgruppen leisten eine unverzichtbare Arbeit für unsere Stadt und unsere Gesellschaft. Dieses Engagement verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch konkrete Unterstützung.“
Spendenkonto (Spendenbescheinigung auf Anfrage):
Sparkasse Darmstadt
IBAN:DE63 5085 0150 0000 5890 63
BIC: HELADEF1DAS
Kontakt:
Klaus Bermond und Brigitte Büttner: reinheim-gruppe@ass-darmstadt.de , Tel. 01590 1501999, www.ass-darmstadt.de

