F.W.Bernstein in Reinheim

Reim - Time in Reinheim
Dies ist der Ort, da reimen im Geheimen
und öffentlich die Reimheimischen all;
sie basteln, kacheln, fliesen, löten, leimen
als Reimwerker auf Stoß, auf Knall und Fall.
Dies ist der Ort, ein Reimort wie aus Träumen
wo Vers an Vers an Vers sich reimend fügt
wo Zeilen eilen, Strophen heftig schäumen,
wo Tom der Reimer sprachlich Furchen pflügt.
Dies ist der Ort, da geht kein Wort verloren,
es geht gereimt in unsern Sprachgebrauch;
mit jedem Wort wird schon sein Reim geboren
und unser dummer Nachbar dichtet auch.
Die Reimpflicht ist in Kraft seit Karl dem Großen,
darüber urteilt das Gedichtgericht;
wer gegen das Reimheitsgebot verstoßen
den rettet auch die beste Absicht nicht.
Auf Versvergehen stehen hohe Strafen,
es herrscht ein strenges Fehlermachverbot;
wer’s dennoch tut - au weh! - den trafen
wohl Acht und Bann und die Schockschwerenot.
Und reimwärts pilgern jetzt die Dichterscharen,
von Reimweh arg getrieben und geplagt,
die vormals bei der Avantgarde waren,
wo man auf lyrisch alles reimfrei sagt.
Nur manchmal ist der Reimzwang aufgehoben,
bei Vollmond meist in der Oktobernacht
und da erschallen - leise erst - reimlose Oden
von daher „Odenwald“ - was haben Sie gedacht?
Denn wo sonst Verse auf den Endreim enden
Da wird sich alles - oder manches - wenden.
