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Mineraliensammlung der Stadt Reinheim

Ort

Mineraliensammlung



Herrmann Steuck (1910 - 1992)

Die Stadt Reinheim nennt seit Dezember 1991 eine reichhaltige Sammlung an Odenwald-Mineralien ihr eigen:

Die „Steuck´sche Stiftungssammlung“.

Diesen glücklichen Umstand hat Reinheim seinem Bürger Herrmann Steuck zu verdanken, der sein Lebenswerk, diese Sammlung, der Stadt zum Geschenk machte.

Herrmann Steuck ( 1910 - 1992 ), aus Battrow/Kr. Flatow in Pommern, faßte nach dem Kriege im Jahr 1947 hier in Reinheim wieder Fuß. Von Beruf Maurer, hatte er schon früh Kontakt zu Gesteinen. Früher wurden nämlich in Pommern während der Winterszeit die Bausteine für den Sommer aus Granit-Findlingen gespalten, die in der Eiszeit durch gewaltige Gletscherströme aus dem fernen Skandinavien herantransportiert wurden. In der neuen odenwälder Heimat lernte er über unsere einheimischen  Gesteine sein Hobby, die Mineralogie, kennen.

Als begnadeter Autodidakt sammelte er drei Jahrzehnte lang seine Mineralien und als gütiger Freund ließ er viele Sammler aus nah und fern an seiner Freude teilhaben. Die Sammlung wurde von Dr. Kurt Marquard in den Räumen des historischen Herrenhauses im Kulturzentrum eingerichtet und wird seitdem von ihm als ehrenamtlichem Leiter betreut.




Arsenolamprit

Der Odenwald, unser heimisches Mittelgebirge, ist einem gewaltigen geologischen Ereignis zu verdanken, das im Alt-Tertiär vor etwa 50 Millionen Jahren in unserem Raum eingesetzt hat: Der Einbruch des Oberrheintales, ein geologischer Graben und die gleichzeitige Hebung des Odenwalds. Während sich der Graben langsam eintiefte, wurden die ehemaligen Deckschichten des Odenwaldes (Gesteine der Perm-, Trias- und Jura-Zeit) abgetragen und der Abtragungsschutt u.a. in den Graben verfrachtet. Die Grabensohle liegt heute in ca. 2200 m Tiefe. Die östliche Grabenschulter, der „Bergsträßer Odenwald“, widerstand der Abtragung, da sie aus harten Graniten und Gneisen besteht. Nur an der Ostabdachung des Odenwaldes haben sich vor allem Sandsteine und Kalksteine der Trias-Zeit (frühes Erdmittelalter, vor ca. 230-250 Mio. J.) erhalten: Der „Buntsandstein-Odenwald“.

Die Granite des Odenwaldes entstanden vor ca. 330 Mio. J. in der „Steinkohlenzeit“ während  einer bedeutenden Gebirgsbildung des späten Erdaltertums. Die Gneise entstanden ebenfalls während dieser „Variszischen Gebirgsbildung“ durch Umwandlung aus viel älteren Vorgängern.

Geologen lehren uns, daß der Odenwald zur „Saxothuringischen Zone“ des Variszischen Gebirges gehört und die Gesteinsstrukturen in Südwest-Nordost-Richtung orientiert sind. Die Gesteine haben ein sehr wechselhaftes Schicksal erfahren, in dessen Verlauf sie u.a. sehr hohen Temperaturen und Drucken in der tieferen Erdkruste ausgesetzt waren. Dies erklärt die außergewöhnlich große Mineral- und Gesteinsvielfalt. So befindet sich z.B. bei Auerbach die mineralreichste Fundstelle Deutschlands (über 120 verschiedene Mineralien)!

Der Odenwald ist geologisch mit dem Erzgebirge verwandt, das ebenfalls ein Reststück des ehemaligen Variszischen Gebirges darstellt. Diese Verwandschaft wurde in den letzten Jahren durch Funde eifriger Hobbysammler bestätigt. So fand man auch hier, genau wie im Erzgebirge, Kobalt-, Silber-, Wismut-, Arsen- und Uranhaltige Minerale.

Im Odenwald sind ein paar hundert verschiedene Mineralienarten gefunden worden, von denen in der Steuck´schen Sammlung die meisten vorhanden sind. Daher wundert es nicht, daß auch im Odenwald Weltneuheiten wie: Reichenbachit, Petitjeanit, Medenbachit und Fettelit in den letzten 20 Jahren durch die Aufmerksamkeit der Sammler entdeckt wurden. Weltseltenheiten wie Betechtinit, Lautit, Arsenolamprit wurden im Odenwald in schönen Exemplaren gefunden. Dabei warten noch ein paar Neuheiten auf ihre vollständige Bestimmung und einen Namen.

 



Die vielseitigen Möglichkeiten zur Nutzung des Sammlungsraumes zeigen die Besuchergruppen. Als sinnvolle Ergänzung zum Schulunterricht besichtigen Schüler mit ihren Lehrern die Mineralien und erhalten bei der Führung Kenntnis über das Werden und Vergehen der Gesteine. Die Sammlung ist zum Treffpunkt vieler Mineralienfreunde geworden. Allmonatlich trifft man sich in Reinheims Hofgut zu Lichtbildervorträgen, zum Tausch, zur Bestimmung von Mineralien und zum Kennenlernen.

Im März jeden Jahres findet der Reinheimer Mineralientauschtag als Quelle für Odenwaldminerale guten Zuspruch, er hat die Sammlung über die Region hinaus bekannt gemacht. Viele Besuchergruppen waren bereits zu Gast und unterstreichen damit die gemeinnützige Einrichtung der Steuck´schen Stiftungssammlung. Auf sieben Vitrinenschränke verteilt findet man die schönsten Stücke. Vor allem die ersten fünf Vitrinen enthalten Handstücke aus dem Odenwald. Interessante Funde aus anderen Regionen Deutschlands und der ganzen Welt zeigen den Fleiß des Stifters.

Steuck hat mit etwa 300 Mineralstufen, sowie einigen hundert Kleinstufen („Micromounts“) von insgesamt 36 Fundpunkten aus dem Odenwald dessen Mineralienvielfalt eindrucksvoll demonstriert. Im südlichen Odenwald  beginnend

„wandert“ man langsam in den Norden. Berühmte Fundpunkte wie die Hohe Waid mit ihren Granaten, der Bruch am Mackenheimer Viadukt mit seinen variszischen Vererzungen, Reichenbach, das alte Kupferbergwerk im   Hohenstein/Borstein Gang-zug, Ober-Ostern, das alte Revier mit seinen berühmten Schwerspäten, das Bocken-roder Manganerzrevier und endlich die berühmten Zeolithe im Roßbergbasalt, sind Beispiele für die mineralogischen Schätze im Odenwald.


     
 

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INFO:

Öffnung: An jedem 1.Mittwoch im Monat 19:00 - 20:00 Uhr und nach Vereinbarung.

Bei Fragen und Anmeldungen zu Führungen wenden Sie sich an:

Dr. Kurt Marquard,

Tel.: 06162 - 2568 oder an das Kultur- und Sportamt,

Tel.: 06162 - 805-61

Der Zutritt ist für jedermann frei.

Führungen für Gruppen, Schulen/Universitäten nach Vereinbarung


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