Was sind Neophyten?
Der Begriff Neophyten bedeutet wörtlich "neue Pflanzen", wobei mit "neu" großzügig die letzten 500 Jahre gemeint sind. Im Gegensatz zu den einheimischen Pflanzen, welche sich nach der Eiszeit von selbst angesiedelt haben, wanderten Archaeopyhten(ältere Einwandererpflanzen) und Neopyhten mit menschlicher Hilfe ein, die einen vor, die anderen nach der Entdeckung Amerikas.
Neopyhten sind seit dem Zeitalter der Entdeckungen und zunehmender Globalisierung eingeführte Pflanzen, die sich bei uns inzwischen fest eingebürgert haen, sich also auch ohne menschliches Zutun dauerhaft hier vermehren.
Obwohl in den Medien das Wort Neophyten oft gleichbedeutend mit Problempflanzen verwendet wird, ist es eigentlich ein wertneutraler Ausdruck. In Deutschland wurden mehr als 12.000 ausländische Pflanzenarten eingeführt. Nach den Erkenntnissen der Invasionsbiologie folgt die Auswilderung ungefähr von 10%. Also verwildern von 1000 eingeführten Pflanzen im Schnitt etwa 100, davon schaffen es 10, sich in naturnaher Vegetation auf Dauer fest einzubürgern. Eine davon wird für uns zur Problemart.
Derzeit bekannte Problemarten:
1. Riesen-Bärenklau:
2-3 jährige Pflanze, 1,5 - 3 m Wuchshöhe, Ausbreitung durch Samen
(bis 20.000)
2. Indisches Springkraut:
einjährige Pflanze, bis 2,5 m Wuchshöhe, Ausbreitung durch Samen
(bis 2.000)
3. Japanischer und Sachalin-Flügelknöterich:
Staudenpflanze, Wuchshöhe 3-4m und größer, Ausbreitung durch
Wurzelsprosse, kleinste Bruchstücke
4. Topinambur:
Staudenpflanze, Wuchshöhe bis 3 m, Ausbreitung durch Wurzelaus
läufer, Knollen
5. Kanadische und Späte Goldrute:
Staudenpflanze, Wuchshöhe bis 2,5 m, Ausbreitung durch Samen
(bis 19.000), Wurzelsprosse
Diese Pflanzen wachsen zu meterhohen dichten Massenbeständen heran, welche fast kein Licht mehr durchlassen. Dadurch verhindern sie das Aufkommen von Gehölzen an den Gewässerufern. Bei uns haben sie keine spezifischen Fráßschädlinge oder Parasiten und können nur von wenigen unspezialisierten Insekten als Nahrung genutzt werden. Ihre Massenbestände verdrängen heimische Pflanzenarten und darauf angewiesene Tiere. Außerdem führen sie zu einen Monotonisierung und Artenverarmung und können ganze Biotope einschneidend verändern.
Was kann man gegen diese Neopyhten tun?
Eine Bekämpfung wurde bereits auf vielfältige Weise versucht: durch Abmähen, Ausgraben, Fräsen, Beweidung, mit Salz- oder Herbidzidbehandlung, Folienabdeckung. Die wenigsten Maßnahmen waren erfolgreich.
Das "frühzeitige Aufspüren" von Einzelpflanzen hat sich schon in Amerika als effektivste und billigste Maßnahme bewährt.
Folgende Punkte werden derzeit durchgeführt:
- Neuansiedlungen frühzeitig verhindern/bekämpfen
- Ausgraben oder Abstechen der Wurzel des Rießenbärenklaus vor der Blüte,
Wurzeln verbrennen
- Blütenstände vor Fruchtreife abschneiden und verbrennen
- größere Flächen evtl. zweimal kurz hintereinander tief fräsen
- Herbizide auf Blättern verstreichen, wenn nichts mehr anderes hilft
(genehmigungspflichtig)
- Staudenknöterich (Japan- und Sachalin-) frühzeitig ausgraben (später
kaum noch wegzubekommen)
Alle oben aufgeführten Problemneophyten sind auch schon in der Gemarkung Reinheim vorgekommen. Lobenswert ist hier der Einsatz des Naturschutzbundes seit über 10 Jahren in der Bekämpfung.
Aber auch alle Reinheimer Bürger können in sofern helfen, als das sie neue Bestände am Umweltamt gemeldet werden.

