

Rede von Bürgermeister Hartmann zur
Städtepartnerschaft Cestas und Licata
Lassen Sie mich zunächst stellvertretend für die Stadt Reinheim und den Verein zur Pflege internationaler Beziehung sehr herzlich Dank sagen für die Einladung zu Ihrer heutigen Feier. Der heutige Tag der Verschwisterung zwischen Cestas und Licata ist nicht nur ein Feiertag für Euch, sondern auch für uns, Eure Partner in Reinheim. Es erfüllt mich mit großer Freude zu sehen, dass die Partnerschaft zwischen Reinheim und Licata Früchte trägt und nach der Deklaration der Freundschaftsakte 2002 hier im Saal ?Omnisports du Complex Sportif du Bouzet? nun die offizielle Städtepartnerschaft zwischen unseren Freunden besiegelt wird. Das Bündnis zwischen unseren Städten und ihren Bürgern ist wieder ein Stück größer und stärker geworden. Wir alle, Licatesen, Sanokaner, Cestaner, Fürstenwalder oder Reinheimer leben gemeinsam in diesem Europa, auf diesem Kontinent. Und dennoch sind wir alle etwas anders - unterschiedlich - und dass ist gut so. Gemeinsam ist uns der Wunsch für ein dauerhaftes friedliches, am Wohl unserer Mitbürger orientiertes Zusammenleben. Doch nicht alle denken so wie wir. Immer wieder gibt es Menschen, die sich dem interkulturellen Dialog versperren oder gar gewalttätig gegen andere Kulturen in Worten und noch schlimmer durch physische Gewalt vorgehen. Gerade dieser Tage hatte die Europäische Union in Deutschland und 7 weiteren EU-Staaten festgestellt, dass die Zahl rassistisch motivierter Straftaten seit dem Jahr 2000 gestiegen ist. Deshalb setzen unsere Städtepartnerschaften ein wichtiges Zeichen für die Öffentlichkeit, dass wir den Dialog zwischen den Nationen und Kulturen wünschen und fördern. Nicht wenige Menschen zweifeln daran, ob ein Zusammenleben verschiedener Kulturen in einer Gesellschaft möglich ist. Diese Frage wird in Italien nicht anders gestellt als in Frankreich, Polen oder Deutschland. Immer wieder ist die Rede von diesem unseligen ?Kampf der Kulturen?. Diese Formel, vor einigen Jahren durch den amerikanischen Politologen Samuel Huntington geprägt, machte nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 die Runde in aller Munde. Das Zusammenleben der Kulturen in Europa und in unseren Städten funktioniert nach eigenen Regeln. Es funktioniert durch gegenseitiges Kennenlernen und Respekt voreinander und nicht durch einen Kampf, auch nicht durch gewalttätige, bewaffnete Auseinandersetzungen. Die Menschen, ob in Sanok, Fürstenwalde, Licata, Cestas oder Reinheim wollen ? bis auf wenige Ausnahmen ? miteinander leben und friedfertig Leben miteinander gestalten. Unsere Städtepartnerschaften und auch das neue Bündnis zwischen Cestas und Licata dienen nicht der Förderung des Tourismus. Die Botschaft, die von unseren Städtepartnerschaften in Europa ausgeht, ist eine klare und deutliche Absage gegen jede Form von Fanatismus und Gewalt. Davon hatten wir im Europa des letzten Jahrhunderts genug. Unsere Botschaft heißt Toleranz. Toleranz, die darauf basiert das Eigene zu kennen und zu akzeptieren, Toleranz die stark genug ist, sich durch das Fremde nicht bedroht zu fühlen. Eine Toleranz, die auch die Sorgen und Ängste anderer ernst nimmt. Eine Toleranz, die nicht durch Provokation versucht, die eigene Sicht der Welt über die der Anderen zu stellen. Wir haben mit unseren Städtepartnerschaften bisher gezeigt, dass das Zusammenleben funktioniert, wenn man bereit ist sich auf andere Kulturen, auf die Andersartigkeit einzulassen und sie zu respektieren. In unseren Städten finden wir heute viele Kulturen und Völker. Es gibt nicht den Licatesen, den Cestaner oder den Reinheimer. Im Laufe der Jahrhunderte sind durch unsere Städte Armeen und Flüchtlingsströme, siegreiche und geschlagene Heere, Plünderer und Pilger verschiedener Völker gezogen. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Und in der Gegenwart leben in Reinheim beispielweise über 30 Nationalitäten. Deren Kinder besuchen den gleich Kindergarten, teilen den gleichen Pausenhof in der Schule oder in vielen Vereinen spielen Kinder afghanischer Eltern neben jenen aus Vietnam, Polen oder der ehemaligen UDSSR. Das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen auf diesem Kontinent bietet hervorragende Chancen: Dann, wenn wir uns bemühen, die positiven Seiten hervorzuheben und sie für uns alle nutzbringend anzuwenden. Denn wie viel an Inspiration, Begeisterung und Motivation kann uns eine andere Kultur geben. Dabei denke ich nicht nur an den hervorragenden Wein aus der Region Bordeaux, die ?cannelloni mit ricotta?, die ?cassata? aus Licata oder gar das Bier aus Reinheim. Ich denke viel mehr an die großen geistigen Wurzeln, von Montesquieu oder Victor Hugo, Dante oder Leonardo da Vinci über Goethe und Schiller. Meine lieben Freunde, mit unserem Dialog zwischen Reinheim, Fürstenwalde, Cestas, Licata und Sanok sind die Menschen unserer Städte auf dem richtigen Weg in das 21. Jahrhundert. Mit unseren Begegnungen, dem Austausch von Mensch zu Mensch erkennen immer mehr, wie deckungsgleich doch die Wünsche und Vorstellungen von einem erfüllten Leben sind. Es ist die Suche nach Glück und Zufriedenheit, nach einem Stück Geborgenheit und wirtschaftlicher Sicherheit. Wenn es uns dann noch gelingen würde, den sprichwörtlichen Charme der Franzosen mit der Spontaneität und der mitreißenden Leidenschaft der Licatesen sowie mit der Reinheimer Pünktlichkeit zu verbinden, hätten wir das Unglaubliche geschaffen, aber leider auch die faszinierende Unterschiedlichkeit verloren. Nehmen wir also die Unterschiedlichkeit hin und freuen wir uns über die vielen Gemeinsamkeiten. In diesem Sinne wünsche ich der Städtepartnerschaft zwischen Cestas und Licata von ganzem Herzen alles Gute, Glück und Erfolg!
